Der Zug der Zeit ist ein unberechenbares Vehikel: Er fährt nach keinem Fahrplan; ist mal Bummelzug, mal ICE; ändert sogar oft die Richtung vor dem Erreichen des ursprünglichen Zieles. Zudem erkennt man seine Richtung erst, wenn er losgefahren ist. Dann aber heißt es aufzuspringen. Das gilt vor allem für Politiker.
Früher haben Parteien Überzeugungen vertreten, für diese Überzeugungen geworben und nach Mehrheiten gesucht. Heute heißt für die Parteien die wichtigste Frage, mit welchen Überzeugungen man Mehrheiten gewinnen kann. “Wir haben verstanden” erklärte ein Parteiführer nach einer Wahlschlappe, mit anderen Worten: “Wir kennen jetze Eure Meinung und werden unsere entsprechend ändern.” Rauf auf den Zug! Dass man mit dieser Haltung bis ins Bundeskanzleramt aufsteigen kann, ist bewiesen. Also sind heute Kursänderungen bis hin zu 180° nicht mehr ungewöhnlich.
Es ist nicht verwunderlich, dass der normal denkende Bürger bei diesem Verhalten der Parteien das Vertrauen in die Politik zunehmend verliert.